Das Drama-Dreieck: Wie Sie einen Konflikt eskalieren lassen

Wie das Drama-Dreieck Konflikte eskalieren lässt - und was Sie dagegen tun können.

Das Drama-Dreieck und seine destruktiven Dynamiken

Konflikte eskalieren meist nach dem selben Stickmuster: dem Drama-Dreieck. Was dann geschieht -und wie Sie das verhindern können zeigen wir in diesem und im nächsten Beitrag zum Thema Konfliktmanagement.

Wer kennt das nicht?

Ein Konflikt weitet sich zum Drama aus: Die Beteiligten lassen die Sachebene hinter sich – und am Ende gibt es Frust und lange Gesichter statt Verständnis und Lösungen. Sicher haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was Sie in einem solchen Konflikt anders machen können, um eine Lösung zu finden oder was Sie  tun können, damit Sie verstanden werden. Doch Kommunikation wird schnell zu einem Minenfeld, denn was Sie in einem kritischen Moment auch sagen, meist wird es alles nur noch schlimmer…
Ein Beispiel, dass Sie vielleicht schon so erlebt haben:
In Ihrem Unternehmen ist etwas schief gelaufen: Um Ihre Arbeit machen zu können, hätten Sie Daten von Mitarbeiter X gebraucht. Aber X hat die Daten nicht geliefert. Dadurch haben Sie Schwierigkeiten bekommen, können jedoch nichts dafür. Sie ärgern sich, denn offensichtlich hat X seine Arbeit nicht richtig erledigt. Sie sprechen diesen Missstand offen aus, adressieren den verantwortlichen Mitarbeiter X und machen keinen Hehl daraus, dass Sie verstimmt sind. Der Angesprochene ist zerknirscht und versucht sein Handeln zu rechtfertigen. Und schon ist seine Büro-Nachbarin zur Stelle, springt in die Bresche, verteidigt ihren Kollegen und gibt Ihnen das Gefühl, dass Sie es sind, der etwas falsch macht. Dabei hatten Sie doch recht, oder?
Hier waren destruktive Kommunikationsmuster am Werk, mit denen wir uns alle schon einmal abgekämpft haben.
Gute Nachrichten: Es gibt Möglichkeiten aus einem solchen Kommunikations-Fiasko auszusteigen. Dafür ist es zunächst nötig, einen Blick auf die Struktur solcher Konflikte zu werfen. Eine klassische Konflikt-Struktur zeigt uns das Drama-Dreieck auf.

 

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Wie werden aus Konflikten Dramen? – Das Drama-Dreieck

Es gibt Kommunikationsmuster, die sich in den verschiedensten Kontexten auf ähnliche Art abspielen. Stephen Karpman M.D. erkannte diese Interaktions- Systematik und nannte sie Drama-Triangle zu deutsch Drama-Dreieck. Zur Klärung von unproduktiven Kommunikationsabläufen leistet das Drama-Dreieck wertvolle Dienste. Es ist ein hilfreiches Instrument, um ein relativ überschaubares Kommunikationsmuster zu erkennen und darzustellen.
1968 brachte Karpman einen Artikel heraus in dem er Rollen in Märchen, Geschichten und Dramen analysierte. Diese Rollen-Muster sind die Grundlage des Drama-Dreiecks. Er fand drei Rollen innerhalb von Konflikten, die er Verfolger, Opfer und Retter nannte. Um mit anderen in Beziehung zu treten, besetzt jede der beteiligten Personen – wie in einem Drama – eine der drei Rollen, die sie während des Konfliktverlaufs wechseln kann. Karpmans Theorie wurde ausgezeichnet und ist mittlerweile eine wichtige Grundlage in der Transaktionsanalyse, einem Zweig der humanistischen Psychologie.

 

Die drei Rollen des Drama-Dreiecks

 Das Drama-Dreieck und seine Rollen: Verfolger, Opfer und Retter

– Der Verfolger

Der Verfolger kritisiert und weist Schuld zu. Dies wird oft als Angriff wahrgenommen. Der Verfolger ist sich sicher recht zu haben. Oft frustriert ihn etwas.
Erinnern Sie sich an unser Beispiel eingangs: In Ihrem Unternehmen ist etwas schief gegangen, das war frustrierend für Sie. Sie gehen den mutmaßlich „Schuldigen“ dafür an. In dieser Beispiel-Situation haben Sie die Verfolger-Rolle eingenommen. Der innere Monolog – also unbewußte oder halb-bewußte Gedanken sind typischerweise „Du bist schuld. Du hast es nicht genug versucht“, „Sie haben unrecht, ich habe recht. Sie sollten tun, was ich sage“ – die Schuldzuweisung kann sich allerdings auch gegen die eigene Person richten: „Ich habe es für uns alle versaut.“

 

– Das Opfer

Das Opfer befindet sich hilflos in einer für es selbst unangenehmen Situation.
Stellen Sie sich vor: Sie fühlen sich machtlos, verzweifelt, weil zu unrecht kritisiert oder finden, dass Sie ohne Verschulden in die Situation geraten sind. Vielleicht sind Sie auch der Meinung etwas nicht zu können oder sogar in einer hoffnungslosen Situation zu sein. Hier sind typische Gedanken: „ Warum passiert mir das immer wieder?“, „Das Leben macht mit mir, was es will.“, „Dafür kann ich aber doch nichts.“, „ Ich bin nicht gut genug.“ Oft bringt das Opfer Leute dazu, ihm zu helfen; oft sucht es einen Retter, ist es bedürftig und leidet offen und für alle sichtbar.

 

– Der Retter

Der Retter greift helfend und parteiisch in die Konflikte anderer ein.
Er macht das Problem des Opfers zu seinem eigenen. Dabei hat er gute Absichten, kümmert sich um andere und ist bereit zu helfen – und das durchaus auch in größerem Umfang als die Geholfenen überhaupt wollen. Dabei verliert er gerne mal die eigenen Probleme, das eigene Leben aus den Augen. Jemand hat Ihren Kollegen kritisiert? „Na, da muß man doch etwas tun!“- Sie setzen sich für ihn ein. – Meist bekämpft der Retter allerdings eher das Symptom und bietet nicht Hilfe zur Selbsthilfe. Sie haben ein Computer-Problem? Der Retter wird eher sagen: „Lass mal – ich mach das schon!“. Dann wird er das Problem beseitigen, statt Ihnen beizubringen, wie Sie sich selber helfen können. Innerer Monolog ist hier: „Die arme Person – ich helfe ihr.“, „Wenn die Person machen würde, was ich sage – dann wäre sie glücklich.“

 

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Wie wirkt sich die Drama-Dynamik auf Konflikte aus? 

Das Drama-Dreieck wird graphisch als ein auf dem Kopf stehendes Dreieck dargestellt. Unten ist das Opfer, das sich in einer unterlegenen Position wähnt; oben sind Verfolger und Retter, die sich jeweils überlegen fühlen. Retter und Verfolger bestätigen die Opfer-Rolle – und umgekehrt: So attestiert beispielsweise der Retter die ausweglose Situation und Unschuld des Opfers und das Opfer den Edelmut und die Kompetenz des Retters. Auf diese Weise bestätigen wir unsere Glaubenssätze und die der anderen.
Zwar gibt es jeweils eine Rolle mit der wir immer wieder bevorzugt ins Drama-Dreieck einsteigen, doch wenn die Dynamik Fahrt aufnimmt werden die Rollen oft sehr schnell gewechselt.
Ein Beispiel:
Ein Team von Servicemitarbeitern fühlt sich von ihrem Teamleiter schlecht behandelt, der oft mürrisch und launisch reagiert. Aus dieser Opferrolle heraus wenden sich die Kollegen während des Urlaubs ihres Chefs an den nächst höheren Vorgesetzten, dem sie erzählen, wie demotivierend der Teamleiter sei und wie schlecht er für die Arbeitsmoral im Team sorge. Der als Retter angesprochene Abteilungsleiter übernimmt diese Rolle gerne und verspricht, die Sache für die Mitarbeiter zu klären. Als der Teamleiter aus dem Urlaub kommt, muss er bei seinem Vorgesetzten antreten und erhält erst einmal eine Standpauke. (Der Abteilungsleiter ist jetzt zum Verfolger geworden.) Der Teamleiter fühlt sich von seinem Team hintergangen, ist gekränkt und verletzt in der Opferrolle. Bei nächster Gelegenheit vertraut er sich einem Kollegen an (als Retter), der auch schon mal ein Thema mit diesem Abteilungsleiter hatte. Gemeinsam bestätigen sie sich in der Haltung, dass dieser Chef gar nicht ginge.

 

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Wie aus einer Gruppe ein Team wird: Die 5 Phasen der Teamentwicklung

 

Sie sehen – die Drama-Dynamik ist in vollem Gange.
Im Grunde versucht jeder zu beweisen, dass er das größte Opfer ist, dass ihm also Unrecht geschieht. Meist lassen sich die „Mitspieler“ im Dramadreieck nicht davon überzeugen, dass dem anderen die größere Ungerechtigkeit widerfährt als ihnen selbst. Am Ende fühlt sich jeder selbst als Opfer der Situation: frustriert und hilflos.
Das alles mag uns völlig normal erscheinen, denn diese Art von Dynamik ist eine häufige. Jedoch sind diese Dynamiken vom Wesen her destruktiv. Wenn eine dieser Rollen auftaucht, entwickelt sie eine Sogwirkung. Fast automatisch tendieren andere Beteiligte dazu, die nächsten Rollen im Spiel einzunehmen. Mit jeder neuen Umdrehung wird der Konflikt schärfer und schwerer zu lösen.
Es gibt also genug Gründe aus dem Drama-Dreieck auszusteigen.
In unserem nächsten Blog-Beitrag geben wir Ihnen praktische Tips, wie Sie aus einer Drama-Dynamik aussteigen können.
 >> Lesen Sie hier:
In´s Netz gegangen.
Hier haben wir ein paar relevante Links für Sie:

 

 Sie wollen mehr erfahren zum Thema Drama-Dreick?
www.berlinerteam.de
Susanne Grätsch

Susanne Grätsch

Geschäftsführerin at berliner team
Mit über 20 Jahren Berufserfahrung ist es heute vor allem die Konzeption und Steuerung von Change-Prozessen, die mich täglich herausfordert. Sei es die Unterstützung bei der Überwindung von Wachstumsschwellen eines Unternehmens oder die Veränderung hin zu einer attraktiven, motivierenden Unternehmenskultur, die Voraussetzung ist für Arbeitgeberattraktivität und langfristig angelegtes Talent Management.
Susanne Grätsch

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