Refugees – Was können wir tun? Bildung für Flüchtlinge

Integration durch Bildung
Integration durch Bildung
Integration läuft zu einem großen Teil über Arbeit. Um arbeiten zu können, braucht man Bildung. Doch wie können Flüchtlinge, die zumeist ohne Sprachkenntnis und ohne anerkannte Abschlüsse hier ankommen sich diese Bildung verschaffen?
Das Thema unserer letzten Leadership Lounge am 18.2. war „Refugees– schaffen wir das?“. In unserer Leadership Lounge und den beiden darauf folgenden Blog- Artikeln warfen wir einen Blick auf die Auswirkungen der Flüchtlingswelle auf unsere Wirtschaft und auf die Möglichkeiten die Unternehmen haben, die Flüchtlinge einstellen wollen. In diesem letzten Artikel unserer Reihe beleuchten wir nun die

 

Möglichkeiten, die Flüchtlinge haben, um an Bildung zu kommen.

Damit Flüchtlinge möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden können, ist es nötig, dass sie hier anerkannte Abschlüsse vorweisen können. Da sich die Situation dieser Menschen in vielerlei Hinsicht schwierig gestaltet und sich zu den sprachlichen Hürden noch weitere Hindernisse hinzugesellen, ist es unerlässlich, den Einstieg in den Arbeitsmarkt durch Hilfestellungen zu erleichtern. Im folgenden stellen wir Organisationen und Unternehmen vor, die sich dies zur Aufgabe gemacht haben.

 

Hoffnungsträger Kiron University

„WORLD CLASS EDUCATION FOR REFUGEES – DIE ERSTE ONLINE UNIVERSITÄT FÜR FLÜCHTINGE

Vortrag auf der Leadership Lounge von Vincent Zimmer, Geschäftsführer und Mitbegründer, Kiron Open Higher Education gUG
 
Ein Vortrag hat die Gäste unserer Business Lounge besonders begeistert. Es war der Beitrag der Kiron University, einem Unternehmen, welches Anfang 2015 von jungen Menschen gegründet wurde. Angetrieben wurden sie von der Frage: was können wir tun, um Flüchtlingen Bildung möglichst schnell und einfach zur Verfügung zu stellen? Sie konzentrierten sich auf die 10 % der Flüchtlinge, die bereits einen hohen Bildungsstandard mitbringen, die im Prinzip die Grundvoraussetzungen für ein Studium haben, unabhängig davon, ob sie Dokumente zu deren Nachweis haben oder nicht. Es gibt einige Barrieren, die es diesen Flüchtlingen schwer machen zu studieren. Die Kiron University hat vier Einstiegshürden identifiziert:
  • Die Kosten des Studiums
  • Fehlende Dokumente bzw. fehlende Anerkennung der Abschlüsse
  • Zu wenig freie Studienplätze an den Unis
  • Fehlende Sprachkenntnisse

 

>>> Lesen Sie hier:
Refugees – Schaffen wir das? Die Flüchtlingswelle – Chance oder Risiko?

 

Die Kiron University hat sich überlegt, wie man diese Einstiegshürden mindern oder sogar ganz beseitigen kann – und hat für all diese Probleme eine geniale Lösung gefunden.
Sie hat eine Online- Universität aufgebaut, die es Flüchtlingen ermöglicht, zwei Jahre lang ohne Sprachkenntnisse und ohne Dokumente ortsunabhängig und kostenlos ein Studium zu beginnen, welches nach Ablauf der zwei Jahre an einer regulären Universität fortgesetzt werden kann.
  • Kosten
Die University Kiron wird gefördert von diversen Stiftungen zum Beispiel der Bertelsmann-Stiftung, der BMW Quandt Stiftung und von vielen Einzelpersonen und Unternehmen. Sie ist eines der erfolgreichsten durch Crowdfunding-gestützten Startups des letzten Jahres: Sie kam unter die ersten zehn von tausenden Crowdfunding-Projekten und konnte so sehr positiv Gelder akquirieren.
Kooperierende Universitäten weltweit stellen Online-Studiengänge zur Verfügung. Dies sind keineswegs simple Präsentationen, sondern in verschiedenen Sprachen ausgearbeitete und  aufbereitete attraktive Studien-Inhalte.
Das Studium ist kostenfrei. Da das Angebot online ist, hat der Studierende die Möglichkeit, sich seine Zeit frei einzuteilen. Er kann parallel zum Studium arbeiten oder Sozialleistungen beziehen.
  • Sprache
Diese Curriculae werden in mehreren Sprachen angeboten. Zum Beispiel in Englisch und Arabisch. Das bedeutet, dass die Flüchtlinge schon studieren können, bevor Sie Deutsch gelernt haben. Zudem wird Deutsch bei Kiron intensiv gefördert, so dass die Flüchtlinge innerhalb der ersten zwei Jahre leicht die Möglichkeit haben Deutsch zu lernen.
  • Dokumente
Noch bevor die Geflüchteten ihre Dokumente beisammen haben, können sie sich anmelden. Dazu brauchen sie lediglich die Kopie Ihres Flüchtlingsausweises. Sie brauchen ihre Hochschulreife nicht nachzuweisen. So können sie schon einmal zwei Jahre lang studieren. Das Studium findet an der Kiron Universität – online – statt, die Prüfungen werden jedoch von regulären Hochschulen abgenommen. Während der zwei Jahre haben die Studierenden die Möglichkeit ihre Dokumente zusammenzusuchen und übersetzen zu lassen. Sollte es ihnen nicht möglich sein, eine Hochschulreife nachzuweisen, haben sie alternativ die Möglichkeit einen Test absolvieren, der – wenn bestanden – die Hochschulreife auf deutschem Standard belegt.
  • Kapazitäten der Unis
Kiron ist eine Vielzahl von Kooperationen mit regulären Universitäten eingegangen, die sich bereit erklären, das Studium bei Kiron anzuerkennen. So kann der Flüchtling nach zwei Jahren Online-Studium zum fünften Semester auf einer regulären Hochschule einsteigen. Somit ist auch das Problem der Engpässe an den Universitäten gelöst: Dadurch dass viele der regulären Studenten innerhalb der ersten Semester ausscheiden, werden Plätze in den höheren Semestern frei, die dann von Flüchtlingen besetzt werden können.
  • Ortsungebunden
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, von jedem Ort aus studieren zu können, denn oft ist für Flüchtlinge kaum absehbar, wo sie landen werden. Während des Studiums gibt es nur ganz wenige Präsensphasen, nämlich dann, wenn  Prüfungen abgeschlossen werden. Diese werden am jeweils gewünschten Hochschulstandort absolviert.
So können Flüchtlinge sofort anfangen zu studieren – ohne Geld, ohne Sprache, ohne Papiere und ohne Studienplatz. Ein tolles Konzept!

 

Die Kiron University

ist ein sehr innovatives Start Up, dass innerhalb eines Jahres von null auf 100 Mitarbeiter angewachsen ist. Diese sind überwiegend damit beschäftigt, Flüchtlinge dabei zu unterstützen ihre Dokumente zusammenzubekommen, die Sprache zu lernen und sich zu orientieren. Finanziert wird es ausschließlich über private Gelder. Es gibt keine staatliche Förderung. Unter anderem deshalb, weil staatliche Unterstützung eine Menge bürokratische Anforderungen mit sich bringen würde, die schwer zu bewältigen wäre, ohne noch einige Mitarbeiter dafür einzustellen.
Bei unserer nächsten Lounge wird die Kiron Universität sich vorstellen. Dann vor dem Hintergrund: Wie kriegt man ein kleines Unternehmen in so kurzer Zeit so groß und erfolgreich?

 

>>> Lesen Sie hier:
Refugees – Schaffen wir das? Die Flüchtlingswelle – Chance oder Risiko?

 

Andere Bildungsinitiativen

Um die hier Ankommenden zu integrieren sind Bildungsinitiativen nötig, die der speziellen Situation Geflüchteter gerecht werden. Wir haben hier einige interessante Projekte für Sie rausgesucht.

 

Michael Stenger: „Ein deutscher Abschluss nach zwei bis vier Jahren“

Michael Stenger leitet eine Schule für jugendliche Flüchtlinge zwischen 16 und 25 Jahren. Obgleich viele dieser jungen Menschen traumatisiert sind, teils Analphabeten und der deutschen Sprache nicht mächtig sind, gelingt es Stenger und seinem Team sie innerhalb von 2 – 4 Jahren fit für einen Abschluss zu machen. Die Prüfungen nehmen die Regelschulen ab. Kaum einer fällt durch – es gehen sogar 20% der Schüler danach an höhere Schulen. Ein Musterbeispiel für Integration über das viele Medien bereits berichtet haben:

 

Lehrerausbildung in Potsdam

Die Universität Potsdam bildet Lehrer aus dem Nahen Osten weiter. Der Schwerpunkt liegt auf der deutschen Sprache. Nachdem die Teilnehmer das deutsche Schulsystem kennen gelernt haben, können sie im Tandem mit Lehramtsstudenten erste Erfahrungen an Schulen sammeln. Ziel ist es, sie in Schulen einzusetzen um geflüchtete Kinder zu unterrichten.
Dazu Beiträge der Uni Potsdam und der maz-online.

 

>>> Lesen Sie hier:
Agilität: So funktionieren agiles Projektmanagement & agile Führung

 

Akademische Tandems

Ebenfalls einen Tandem-Ansatz verfolgt academic experience Worldwide e.V. Hier bilden sich Teams aus Akademikern und Studierenden. Die einen geben Sprachkenntnis und Orientierungshilfe in der neuen Kultur, die anderen tragen ihr Fachwissen bei. So stärken beide Seiten ihre Fähigkeiten und die des anderen.

 

 www.berlinerteam.de
Susanne Grätsch

Susanne Grätsch

Geschäftsführerin at berliner team
Mit über 20 Jahren Berufserfahrung ist es heute vor allem die Konzeption und Steuerung von Change-Prozessen, die mich täglich herausfordert. Sei es die Unterstützung bei der Überwindung von Wachstumsschwellen eines Unternehmens oder die Veränderung hin zu einer attraktiven, motivierenden Unternehmenskultur, die Voraussetzung ist für Arbeitgeberattraktivität und langfristig angelegtes Talent Management.
Susanne Grätsch

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